Dem Hund gerecht werden

Dem Hund gerecht zu werden bedeutet, ihn aus gutem Grund ungleich zu behandeln um eine Gleichheit herzustellen.

Dem Hund gerecht zu werden bedeutet, ihn nicht gleichberechtigt zu behandeln. Es bedeutet, ihn in seiner Ungleichheit zu akzeptieren und durch von uns ausgeübte und als gerecht empfundene ausgleichende Gerechtigkeit an unserem Leben teilhaben zu lassen.

Den Hund gleichberechtigt zu behandeln würde bedeuten, die Ungleichheit zwischen Mensch und Hund abzulehnen. Ihm dadurch gerecht zu werden, dass ihm durch austeilende Gerechtigkeit eine Gleichheit vorgegaukelt wird – eine natürliche und angeborene Gleichheit, für die es keinen Ausgleich braucht. Doch aus welchem Grund? Was macht uns gleich?
Ist es nicht ungerecht gegenüber denen, die uns wirklich gleich und wirklich ungleich sind, den Hund als Gleichen zu behandeln? Dem Tier jedoch werden wir so sicher nicht gerecht.

Wer entscheidet, wann es gerecht ist, einen Ungleichen gleich zu behandeln oder einen Gleichen ungleich?

Der gute Grund.
Aber was ist der gute Grund? Und ist dieser für jeden gleich?
Je ungleicher wir sind, desto ungleicher ist auch der gute Grund. Ist dies ein guter Grund, um die gegenseitige Ungleichheit über die Gleichbehandlung und Gerechtigkeit in der Hundehaltung zu rechtfertigen?

Gleichheit beruhigt den Geist, vermittelt Sicherheit und Stabilität. Was passiert jedoch, wenn wir auf ein Ereignis, einen Sachverhalt, eine neue Erfahrung treffen, die sich mit der Gleichheit nicht beantworten oder lösen lässt? Liegt die Antwort auf das Rätsel innerhalb der Gleichheit? Immer? Oder brauchen wir die Ungleichheit um wirklich sicher zu sein? Braucht es nicht Ungleichheit um mit ungleichem umgehen zu können?
Wäre es nicht gerecht, wenn die Ungleichen sich gegenseitig über ihre guten Gründe für die Ungleichbehandlung verständigten? Würden wir einander nicht viel gerechter werden, wenn wir unsere Ungleichheiten gleich behandeln würden und durch ausgleichende Gerechtigkeit dafür sorgten, dass die Ungleichheiten gleiche Rechte und Freiheiten besäßen?
Natürlich nur mit gutem Grund – das versteht sich von selbst.

Gleich und gleich gesellt sich gern.
Dennoch ist es wichtig, dass sich Ungleiche gegenseitig respektvoll gegenübertreten, denn die Antwort auf die Rätsel im Leben liefern uns nur all zu häufig die, die uns durch ihre Ungleichheit bereichern.

Philipp Stockerl

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